Diskussion: Fragen zum Zigarettenpfand

Häufige Fragen zum Pfand auf Zigaretten
Foto (modifiziert): Asier Relampagoestudio / Freepik

DISKUSSION
Häufig gestellte Fragen zum Pfand auf Zigaretten

  • Umgang mit ausländische Zigaretten und Schmuggelware

  • Gerechtigkeit des Systems

  • Technische Schwierigkeiten

  • Administrative und wirtschaftliche Schwierigkeiten

  • Sonstiges

Über unser Konzept zur Etablierung eines Pfands auf Zigaretten und Zigarettenschachteln wurde inzwischen vielfach in den Medien berichtet. Wenn Abstimmungen unter LeserInnen, RadiohörerInnen oder FernsehzuschauerInnen gemacht wurden, ergaben sich stets Mehrheiten für die Einführung eines solchen Pfandes. Es kamen jedoch auch SkeptikerInnen – zum Beispiel vom Deutscher Zigarettenverband und aus dem Bundesumweltministerium – zu Wort. Im Folgenden nehmen wir zu den häufigsten genannten Gegenargumenten Stellung und berücksichtigen dabei auch einige Fragen, die uns via Email und soziale Medien erreicht haben.

Umgang mit ausländischen Zigaretten und Schmuggelware

1. „Ein Zigarettenpfand verleitet die KonsumentInnen zum Kauf von Schmuggelware und Ware aus dem Ausland“

Dies unterstellt ein Verhalten, von dem wir nicht ausgehen. Ein Pfand bedeutet keine Preiserhöhung; man bekommt es zurück. Außerdem: Das im Mai 2019 eingeführte „Track & Trace“- Verfahren (Tabakproduktrichtlinie 2) wird hoffentlich nachvollziehbar dokumentieren wenn illegal erworbene Zigaretten angeboten werden und somit diesen „Ausweg“ erschweren.

2. „Was geschieht, wenn ein zurückgebrachter Taschenaschenbecher sowohl legal in Deutschland gekaufte als auch illegal oder im Ausland erworbene Kippen enthält?“

Dieses Problem stellt sich so nicht, da für jeden Taschenaschenbecher mit 20 Zigarettenkippen vier Euro an den/die AbgeberIn ausbezahlt werden. Da der/die RaucherIn den Taschenaschenbecher mit dem Kauf von legalen, inländischen Zigaretten erhalten hat, müsste er/sie einen weiteren erwerben um zusätzlich die Reste von illegalen oder ausländischen Zigaretten zurückgeben zu können. Dies soll das System im Dienste des Umweltschutzes ermöglichen: Kippen von ausländischen und illegalen Zigaretten können gemäß der Regelung für freie SammlerInnen gehandhabt und zu dem reduzierten Auszahlungsbetrag von 10 Cent pro Kippe an das Pfandsystem abgegeben werden. Eine Unterscheidung von mit Pfand belegten und nicht mit Pfand belegten Kippen innerhalb eines Taschenaschenbechers ist somit nicht erforderlich.

Beispiel: Eine Kundin kauft in der Ukraine Zigaretten und bringt 28 Stück davon zurück mit nach Deutschland. Um diese gegen Pfand abzugeben, benötigt sie einen Taschenaschenbecher. Sie hat beim Kauf ihrer deutschen Zigaretten aber nur so viele Taschenaschenbecher erhalten, um genau die (aber nicht mehr) darin unter zu bringen. Nutzt sie also diese Taschenaschenbecher um ihre ukrianischen Zigaretten in das Pfandsystem einzubringen, haben 28 ihrer deutscher Kippen keinen Platz mehr.
Jetzt kann sie allerdings einen zusätzlichen Taschenaschenbecher für 2 Euro erwerben und ihn mit 20 ukrainischen Zigaretten füllen. Wenn sie diesen zurück gibt, erhält sie 4 Euro und verdient somit 2 Euro. Um die übrigen 8 ukrainischen Zigaretten auf die gleiche Weise in das Pfandsystem einzubringen,  müsste sie noch weitere 12 irgendwo organisieren (zum Beispiel solche, die sie auf dem Boden findet).

3. „Ist es nicht schädlich für das System wenn bei der Rückgabe von Zigaretten, für die kein Pfand bezahlt wurde, dennoch Pfand kassiert wird?“

Dass sich durch die Abgabe solcher Zigaretten in das Pfandsystem tatsächlich Mehrkosten ergeben, ist nicht unbedingt der Fall. Auch trotz eines Pfandes wird vermutlich eine kleine Anzahl von Zigaretten entsorgt werden, ohne dass das Pfand dafür kassiert wird (z.B. im Hausmüll). Wenn mehr legale, inländische Zigarettenreste so entsorgt als illegal erworbene oder ausländische Kippen in das System abgegeben werden, ist die Bilanz positiv. Es wird mehr Pfand eingenommen als ausgezahlt. Wenn mehr illegale und ausländische Zigaretten an das System abgegeben als inländische entsorgt werden ohne das Pfand zu kassieren, ist die Bilanz negativ. Im Dienste des Umweltschutzes müssten dann die Kosten von der Zigarettenindustrie getragen und/oder durch staatliche Zuschüsse subventioniert werden.

Ein Pfand auf Zigaretten – ist das gerecht?

4. „Wenn Sie nicht belegen können, dass Sie die Zigaretten gekauft haben, dann können Sie doch auch kein Pfand zurückfordern.“

Wir sehen hier eher einen Nutzen als ein Problem. Freie SammlerInnen tragen Kippen zurück, die sonst die Umwelt schädigen würden. Diese Aktivität wird belohnt. Menschen, die ausländische oder illegale Zigaretten gegen Pfand retournieren, vermeiden, dass die Kippen im Restmüll entsorgt werden oder in der Umwelt landen.

5. „20 Cent sind zu teuer – das trifft vor allem Einkommensschwächere!“

Für RaucherInnen entstehen keine neuen Kosten. In vielen Fällen werden sie sogar gar nichts mit der Verrechnung zu tun haben, da ein gängiges Szenario folgendes sein dürfte: Erstmalig wird das Pfand beim Kauf einer Packung Zigaretten entrichtet; später werden die Kippen zurückgebracht und dabei neue Zigaretten erworben. Das Pfand muss dann nicht ausgezahlt und gleich wieder eingenommen werden; es verbleibt im System bis der/die RaucherIn das letzte Mal Zigarettenkippen abgibt. Lediglich wenn die Kippen nicht zurückgegeben werden, muss man beim Kauf einer neuen Packung wieder Pfand entrichten. Meistens wird vermutlich ein „fliegender Wechsel“ stattfinden.

6. „Haben Sie an die Leute gedacht, die die stinkenden Kippen zählen bzw. sortieren müssen?“

Dieser Schritt muss und kann automatisiert werden. Die Konzeption einer Rücknahmemaschine ist zwar nicht im engeren Sinne Teil dieser Petition, jedoch wird bereits an einer möglichen Umsetzung getüftelt. Sobald weitere Details hierzu vorliegen, werden wir diese veröffentlichen. Wir weisen jedoch darauf hin, dass unsere eigenen Überlegungen die Industrie nicht von der Verantwortung entbinden, ebenfalls Vorschläge auszuarbeiten.

7. „Haben Sie an die Verkaufsstellen gedacht, die die Kippen gegen Pfand ausgeben und zurücknehmen müssten? Sind die dadurch nicht ungerechtfertigterweise zusätzlich belastet?“

Wir halten es für keine Option, die Korrektur eines Fehlverhaltens mit dem Verweis auf Kosten ihrer Umsetzung in Frage zu stellen. Die Industrie muss Verkaufsstellen auch in Zukunft motivieren, ihre Produkte abzusetzen. Sie wird entsprechende, wirtschaftliche Angebote an die Verkaufsstellen machen müssen, um das Vertriebsnetz zu gewährleisten. Wir sind gerne bereit, hier konstruktiv mitzuarbeiten und fordern keinen unentgeltlichen Mehraufwand für KioskbetreiberInnen, Tankstellenangestellte, etc.

8. „Werden nicht jene RaucherInnen ungerechtfertigterweise belastet, die ihre Kippen jetzt schon korrekt entsorgen?“

Richtig ist, dass es für alle RaucherInnen einen kleinen Mehraufwand bedeutet, ihre Kippen zu sammeln und abzugeben. Wir bedauern, dass denjenigen RaucherInnen, die sich bereits vorbildlich verhalten, hier eine zusätzliche Arbeit verursacht wird. Allerdings werden bei der Einführung eines Recyclingsystems auch diese Kippen zukünftig wiederverwendet, was den Mehraufwand unserer Ansicht nach rechtfertigt.

Technische Schwierigkeiten

9. „Es müssten verschiedene Taschenaschenbecher produziert werden, da es auch verschiedene Mengen Zigaretten pro Packung gibt.“

Wir plädieren für eine einheitliche Anzahl von Zigaretten pro Packung (beispielsweise 20 Stück). Damit wäre es möglich, einen systemweit einheitlichen Taschenaschenbecher zu entwickeln. Verschiedene Taschenaschenbecher-Formate würden aufgrund unterschiedlicher Formfaktoren die Automatisierung erschweren.
Prinzipiell gibt es zwei Optionen:
a) Die Anzahl der Zigaretten pro Packung ist normiert.
Vorteil: Der Taschenaschenbecher kann 1:1 mit der Zigarettenpackung ausgegeben werden.
Nachteil: Die Hersteller müssten sich auf eine Standardanzahl an Zigaretten pro Packung einigen oder dies wäre vorzuschreiben.
b) Es wird ein Standard-Taschenaschenbecher ausgegeben, der so viel oder mehr Platz für Kippenreste bietet wie die größte handelsübliche Packung Zigaretten. Er wird separat von der Zigarettenschachtel mit einem eigenen Pfand belegt.
Vorteil: Die Hersteller können weiter frei über die Anzahl der Zigaretten pro Packung bestimmen.
Nachteil: Die Prozesskomplexität wird erhöht. Für einen Zigarettenkauf gibt es dann zwei Vorgänge – den Kauf der Zigarettenpackung inkl. Pfand und das separate Pfand für den Taschenaschenbecher (das mit Rückgabe ebenso wieder ausgezahlt wird).
Option b bzw. mögliche weitere Alternativen, haben wir in diesem Konzepttext nicht weiter diskutiert. Sollte sich ein entsprechender Bedarf ergeben, stehen wir für eine weitere Diskussion jedoch gerne zur Verfügung.

10. „Was geschieht mit Stangenware? Bekommt man zu einer Stange Zigaretten 20 bis 30 Taschenaschenbecher?“

Grundsätzlich können auch Taschenaschenbecher als „Stange“ abgegeben werden, möglich wäre aber auch ein Großgebinde als Sonderformat. Dieses wäre nur auf besonderen KundInnenwunsch auszugeben und hätte wiederum den Nachteil einer erhöhten Prozesskomplexität. Details sind als Teil des Prozessdesigns zu klären.

Administrative und wirtschaftliche Schwierigkeiten

11. „Die Implementierung eines Pfandsystems bedeutet einen erheblichen administrativen, logistischen und finanziellen Aufwand.“

Wollen wir die Umweltschäden weiter hinnehmen oder etwas dagegen tun? Im zweiten Fall werden wir uns den Herausforderungen stellen müssen – so wie dies auch schon beim Recycling von Flaschen, Dosen, Papier, etc. der Fall war und ist.

12. „Ein Pfandsystem ist weder nachhaltig noch kosteneffizient.“

Die nachhaltigste Lösung wäre die Einstellung von Produktion und Vertrieb von Rauchwaren. Wenn wir das nicht wollen, kommt die zweitnachhaltigste Variante ins Spiel: Das ist bis auf Weiteres ein Pfandsystem.

Kosteneffizienz: Gablers Wirtschaftslexikon definiert den Begriff folgendermaßen: „Umweltpolitische Instrumente sind kosteneffizient, wenn es keine anderen Instrumente gibt, die die gleiche Immissionsbelastung bei gegebener Technologie mit niedrigeren Kosten ermöglichen.“ Da einstweilen konkurrenzlos, ist das Pfand nach dieser Definition notwendigerweise auch kosteneffizient.

Sonstiges zum Pfand auf Zigaretten und deren Verpackungen

13. „Wie soll mit Giftstoffen aus der Asche der Zigaretten umgegangen werden?“

Asche kann in den ausgegebenen Taschenaschenbecher abgeklopft werden. Da mit Einführung des Pfandsystems ein Taschenaschenbecher stets mitgeführt wird (er löst ja das Sammelproblem für abgebrannte Zigaretten), steht er auch hierfür zur Verfügung. Ob diese Option wahrgenommen wird ist nicht kontrollierbar, erhöht jedoch die Chance, dass auch die Asche aufgefangen wird.

14. „20 Cent sind zu teuer für die Zigarettenindustrie.“

Die erhobenen 20 Cent pro Zigarette stellen keine Kosten dar, sondern ein Pfand, das rückerstattet wird. Die Industrie muss allerdings die Prozesskosten des Pfandsystems aufbringen. Wer dies als zu hohe Belastung für den Wirtschaftszweig wahrnimmt, sei darauf hingewiesen, dass Erzeuger von Einwegplastik (wozu auch Zigarettenfilter zählen) in Zukunft stärker an der Beseitigung des daraus resultierenden Mülls beteiligt werden sollen. Bei der Einführung eines Pfandsystems handelt es sich also um einen besonders effizienten Einsatz von Mitteln, werlche sowieso aufgebracht werden müssen.

15. „Ein Zigarettenpfandsystem ist unhygienisch.“

Warum sollte dies der Fall sein? Bei der Konzeption des Pfandsystems ist selbstverständlich auf Hygieneaspekte Rücksicht zu nehmen.

16. „Selbst gedrehte Zigaretten werden von dem System nicht erfasst.“

Dieser Einwand ist berechtigt. Wir arbeiten an einer Lösung. Da jedoch der Anteil an selbst gedrehten Filterzigaretten am Gesamtvolumen der Verschmutzung vergleichsweise klein ist, ist dies keinesfalls ein Argument gegen das Pfand per se.